Coaching & Beratung - Manuela Rösel
Manuela Rösel
Scharnweberstraße 23
10247 Berlin
Tel.: 030/27 57 19 21
E-Mail:
Borderlinepartner

Individuelle und konzentrierte Beratung für Partner von Borderline Persönlichkeiten. Diese Beratung ist ausschließlich für Menschen gedacht, die im Umgang mit einem von Borderline betroffenem Angehörigen, Beistand benötigen. Die Konfrontation mit borderline-typischen Verhalten erfordert mitunter ein Höchstmaß an Kraft und Verständnis und führt oft zum Verlust von Lebensfreude- und kraft. Viele Angehörige entwickeln mit der Zeit ein ausgeprägtes Burnout, sind emotional und körperlich erschöpft, depressiv und leiden unter dem Verlust von Integrität und Selbstwert.

Die der Borderline-Störung zugrunde liegende Beziehungsebene der projektiven Identifikation (ich bin du und du bist ich) ist abhängig von verschmelzender Bindung, die jede Individualität leugnet und bedingungslose Anpassung einfordert. Verschmelzung aber bedeutet auch immer die Gleichheit im Erleben von Instabilität und Krisen, von Zerrissenheit und Überforderung, von Leere und Ausgeliefertsein. Das Burnout wird zur logischen Konsequenz.

Verlieren sich Partner und Angehörige in der symbiotischen Verbindung, ohne den Bezug zum eigenen Ich aufrecht zu erhalten, haben sie keine Chance, im Kontakt mit ihrer Borderline-Persönlichkeit zu bestehen. Ihr angepasstes und coabhängiges Verhalten hat nicht nur destruktive Folgen für die Beziehung (Förderung von Instabilität und Krisen) sondern schränkt auch den Betroffenen in seinen Wachstumsmöglichkeiten ein.

Sowohl für die eigene Gesunderhaltung, als auch für den betroffenen Partner und die Beziehung zu diesem, sollte jede Bezugsperson einer Borderline-Persönlichkeit lernen, sich eigenständig und unabhängig von dieser wahrnehmen und vertreten zu können.

Innerhalb der Intensivarbeit werden wir aus diesem Grund, abhängig von Ihren Zielen und Erwartungen, in folgenden Bereichen arbeiten:
 
» Das Verstehen des Störungsbildes (Spaltungsmechanismen) und des damit verbundenen problematischen Verhaltens. Erst so kann es Ihnen möglich sein, die Verantwortung dafür zurückzuweisen und zu lernen sich abzugrenzen.
» Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Hintergrund, Ihren frühkindlichen Beziehungserfahrungen und deren Konsequenzen für Ihr Bindungsverhalten. Hier stehen Ihre eigenen Muster bzw. Persönlichkeitsanteile und deren Einfluss auf Ihre Beziehungen im Mittelpunkt.
» Die Optimierung Ihrer Selbstwahrnehmung und Kommunikationsfähigkeit durch ein transaktionsanalytisches Training. Durch dieses wird es Ihnen möglich sein zu erkennen, wann und warum kindliche Anteile Ihr Verhalten dominieren (Anpassung, Selbstaufgabe, Konfliktvermeidung ...). Sie lernen, darauf Einfluss zu nehmen und sowohl die innere Kommunikation, als auch daraus resultierend die Kommunikation nach außen positiv zu beeinflussen und zu verändern.
» Die Arbeit mit dem Erwachsenen-Ich und die Identifikation hinderlicher Glaubenssätze oder Introjekte. Hier lernen Sie den wertschätzenden Umgang mit eigenen Verhaltensmustern, diese zu verstehen und zu optimieren.
» Gegebenenfalls Entscheidungsfindung, Trauer- oder Resilienzarbeit.

Das Zusammenspiel dieser Bereiche ermöglicht letztendlich die Differenzierung der eigenen Person innerhalb der Beziehung und ermöglicht so auch eine verbesserte Selbstfürsorge. Da gerade die fehlende Fähigkeit zur Abgrenzung in coabhängiges Verhalten führt, bietet eine klare und selbstfürsorgliche Kommunikation sowohl für Sie als Partner als auch für den/die Betroffene/n an Ihrer Seite eine Chance auf Entwicklung.

Ganz Ihrer Situation angepasst, erarbeiten wir sinnvolle Strategien und Verhaltensweisen, die es Ihnen ermöglichen, konstruktiv mit Krisen umzugehen. Sie lernen, sich Stabilität zu erarbeiten und diese an den Betroffenen weiterzugeben.

Sollten Sie sich für eine individuelle und intensive Zusammenarbeit interessieren, jedoch nicht im Raum Berlin leben, biete ich Ihnen die Möglichkeit einer 2-tägigen Intensivarbeit an. In einem zusammenhängenden Zeitraum von 2 Tagen können wir dann ganz konkret an Ihrer aktuellen Lebenssituation und entsprechenden Problemlösungen und Entwicklungsmöglichkeiten arbeiten. In jeweils 4 Stunden täglicher Arbeit konzentrieren wir uns auf die Schwerpunkte, die Ihren Beziehungsanteil betreffen, die daraus resultierenden Probleme sowie auf entsprechende Bewältigungsstrategien. Ganz individuell können wir auch eine mehrstündige Beratung (bis 4 Stunden) an einem Tag vereinbaren. Für diesbezügliche Fragen stehe ich Ihnen gern zur Verfügung.
 
Sollten Sie nicht die Möglichkeit einer persönlichen Beratung in Anspruch nehmen können, sich in einer klärungsbedürftigen Situation befinden, oder einfach nicht mehr weiterwissen, können Sie auch gern meinen Telefon Service (030 27 57 19 21) in Anspruch nehmen.
 

 

Buchempfehlungen für Partner von Borderline-Persönlichkeiten:

 

"Borderline verstehen"
"Borderline verstehen"
Eine transaktionsanalytische Betrachtung der Borderline-Persönlichkeitsstörung
"Borderline verstehen" vermittelt im ersten Teil des Buches zunächst Grundlagenwissen zur Transaktionsanalyse. Ein leicht verständliches Konzept, welches sowohl auf der Ebene der Kommunikation, als auch im Bereich der Verhaltensanalyse viele hilfreiche Impulse des Verstehens und der Einflussnahme ermöglicht. Im zweiten Teil des Buches setze ich mich dann direkt mit einigen scheinbar unerklärlichen Verhaltensmustern der Störung auseinander, welche, transaktionsanalytisch betrachtet, so einen eher logischen und nachvollziehbaren Hintergrund erhalten. Neben den Ursachen, die zur Entstehung der Störung führen, gehe ich auch auf typische Fehlannahmen und Vorurteile ein. In diesem Zusammenhang setze mich u. a. auch mit der bisher noch leider zu wenig beachteten Veranlagung zur Hochsensibilität auseinander, die m. E. n. eine der genetischen Voraussetzungen darstellt. Ein ebenfalls interessanter Bereich, der durch die Transaktionsanalyse fassbarer wird, ist die destruktiv geprägte Kommunikation Betroffener sowie die zum Spaltungsmechanismus gehörenden Externalisierungen (Inszenierungen). Dabei wird äußere Realität dem inneren Erleben angepasst, was letztendlich zu den immer wiederkehrenden oft hochdramatischen und konsequenzreichen Konflikten führt. In welchen Abläufen dies geschieht (Spiele) und wie man mit derartigen Inszenierungen besser umgehen kann, nimmt einen weiteren Teil des Buches ein.

Der Verlag zum Buch:
Der neue Ratgeber von Manuela Rösel, der Autorin des Bestsellers Wenn lieben weh tut, bietet ein leichtes Verstehen von hoch komplizierten Verhaltensweisen, für die es bisher keine oder nur unzureichende Erklärungen gab. Das Buch enthält eine gut strukturierte Einführung in die Transaktionsanalyse und ermöglicht dem Leser, mit diesem Wissen nahtlos in die unterschiedlichsten Facetten der Borderline-Störung einzutauchen. Dabei werden - belegt durch zahlreiche Beispiele - sowohl die Ursachen dieser Persönlichkeitsstörung aufgezeigt als auch typische symptomatische Verhaltensmuster Betroffener dargestellt. Angehörige und Partner von Borderline-Persönlichkeiten erhalten nicht nur neue Orientierungs- und Differenzierungsmöglichkeiten, sondern auch wertvolle Hilfestellungen, die es ihnen ermöglichen, wesentlichen Einfluss auf ihr eigenes Leid und das der Betroffenen zu nehmen - und somit das eigene Ich zu stärken und zu stabilisieren. Auch für Therapeuten ist dieses Buch von Manuela Rösel, das aus dem reichen Schatz ihrer langjährigen praktischen Erfahrungen im Umgang mit Betroffenen schöpft, ein wertvoller und unentbehrlicher Ratgeber. Verstehen ist der erste Schritt auf dem Weg des Miteinanders.
Leseprobe | Inhaltsverzeichnis


Leseprobe

Borderline verstehen ... Eine transaktionsanalytische Betrachtung ©Manuela Rösel

Frustrationsintoleranz, Wechselhaftigkeit und Ziele
Menschen, die im Abspaltungsmechanismus verharren, neigen zur Frustrationsintoleranz. Ihre Bedürfnisse haben in ihrem Erleben existenziellen Charakter. Deren Befriedigung bedeutet für sie Leben, Nichtbefriedigung heißt sterben. Wie auch in der realen Zeit der Abspaltung existiert hierzu kein begriffliches Denken, sondern ein rein emotionales Wahrnehmen, das direkt, mit den einst erworbenen Eltern-Ich Informationen verbunden ist. Ein einfacher Mechanismus, der das Überleben eines abspaltenden Kindes absichert und zumindest in der realen Zeit eines Kleinstkindes, nichts mit Tyrannei zu tun hat.

Die bedürftige kindliche Borderline-Persönlichkeitsstruktur agiert immer im Moment des aktuellen Bedürfnisses, auf das sich Betroffene dann meist fixieren. Das ausgeprägt freie Kind- Ich handelt rein lustorientiert. In dem Augenblick, in dem ein Bedürfnis präsent ist, muss es auch erfüllt werden. Ähnlich wie bei den Rollen definiert sich eine Borderline-Persönlichkeit häufig über die Befriedigung ihrer Bedürfnisse oder das Erreichen eines Ziels. „Wenn ich diesen Mantel habe, werde ich gut aussehen. Alle werden mich bewundern, ich werde mich dann sicher und attraktiv fühlen. Wenn ich diesen Job habe, werde ich Geld verdienen und geachtet werden. Wenn ich ... Kind, Mann, Job, Wohnung-dann wird alles gut“. Die Abspaltung bleibt präsent, bekomme ich es wird alles gut (weiß), bekomme ich es nicht, ist alles vorbei (schwarz). Unschwer zu erkennen ist auch hier die Fixierung auf das überlebenswichtig ersehnte o.k. Jede Bedürfnisbefriedigung stillt zumindest im Augenblick den unstillbaren Hunger nach dem o.k.

Hier findet sich auch die Ursache, für die Unfähigkeit vieler Borderline-Persönlichkeiten mit Geld umzugehen. Der Manipulation der Werbepsychologie, du kannst o.k. sein, wenn du dieses oder jenes konsumierst, können sie oft nicht widerstehen. Sie müssen jedes nur mögliche o.k. erringen, um zu überleben.

Betroffene nehmen sich zumeist im gesamten Spektrum ihres Lebens als unbefriedigt wahr. Das, was sich auch problematisch auf ihre Beziehungen auswirkt, die Übertragung der Verantwortung des inneren Erlebens auf den Partner (Verschmelzung), spielt auch in anderen Lebensbereichen eine entscheidende Rolle. Betroffene gehen in der Regel davon aus, dass äußere Gegebenheiten für ihr Befinden verantwortlich sind, was sie dann davor bewahrt, in die gefürchtete Selbstauseinandersetzung zu gehen. Das verinnerlichte „nicht o.k.“ kann so auch immer wieder als „du bist nicht o.k.“ nach außen delegiert werden, womit sowohl das Selbstbild, als auch die Lebensanschauung erhalten bleiben.

In der Hoffnung, ihr beständiges Unbefriedigtsein durch das Verändern äußerer Umstände beeinflussen zu können, neigen Betroffene dann häufig dazu, ihre beruflichen Ziele zu verändern (in einem anderen Beruf wäre ich erfolgreicher), permanent herumzureisen (an einem anderen Ort würde ich mich besser fühlen) oder promiskuitiv zu sein (mit einem anderen Partner würde ich endlich zur Ruhe kommen).

Betroffene setzen sich so oft rasend schnell neue Ziele, die sie dann ebenso schnell wieder verwerfen. Der Moment, in dem sie ihr neues Ziel fantasievoll avancieren, enthält jede Menge Erwartungen und Hoffnungen, die aber oft nicht realistisch hinterfragt werden (eingeschränktes Erwachsenen-Ich). Das Bedürfnis nach Anerkennung, Erfolg oder Bestätigung (o.k. zu sein) ist dermaßen groß, dass allein die Emotionalität zählt, die im Augenblick mit der jeweiligen Zielstellung verbunden ist. Die Enttäuschung folgt spätestens dann, wenn während der neuen Ausbildung oder im neuen Job, die alte Leere und der Eindruck unzureichend zu sein, noch immer präsent sind. Ähnlich ist es mit Ortsveränderungen. Viele Borderline- Persönlichkeiten flüchten immer wieder aus der häuslichen Atmosphäre und versprechen sich von Ortswechseln auch eine Änderung ihrer Verfassung. Sie ziehen permanent um, wechseln Stadt oder Wohnung oder versuchen es mit ständigem Reisen.

Aber jede Befriedigung und jedes erreichte Ziel bringt nicht mehr, als eine kurze Erleichterung, ein kurzes Wohlgefühl, das sich nicht halten lässt. Die Erwartung, dass nun alles gut wird, erfüllt sich nicht. Auch im neuen Job gibt es die gleichen Probleme; der neue Partner ist genauso wie der alte; in der neuen Wohnung ist man auch nicht glücklicher und das Kind ist nur noch anstrengend.

Was folgt ist bittere Enttäuschung. Identitätsstarke Menschen, deren Ich-Zustände klar voneinander abgetrennt sind, können ihre Trauer und Enttäuschung annehmen und verarbeiten oder den eigenen Anteil hinterfragen. Borderline-Persönlichkeiten haben aber nicht gelernt, sich zu trösten oder um etwas zu trauern. Im Gegenteil. Oft haben sie verinnerlicht, dass auf Schmerzen, noch drastischere Schmerzen folgen. Wenn z. B. ein verängstigtes Kind schreit, um auf sich aufmerksam zu machen und dann dafür bestraft wird, kann es nicht lernen, mit seinem Kummer umzugehen. Es lernt nur, dass auf einen Schmerz ein noch größerer folgt. Es ist geradezu typisch für Borderline-Persönlichkeiten, dass sie ihre Schmerzen noch drastifizieren und andere mit einbeziehen, um so auch eine entsprechende Spiegelung zu erhalten.

Das Erwachsenen-Ich identitätsstarker Menschen ist in der Lage nach Ursache und Wirkung zu suchen. Es trägt Informationen zusammen und sucht Lösungswege, die dann auch als Lernerfahrung abgespeichert werden können und in späteren Situationen helfen, ähnliche Fehlentscheidungen zu vermeiden.

Die Verschiebung der Ich-Zustände bei der Borderline-Persönlichkeit im Zusammenspiel mit der Abspaltung erdrücken jedoch das Erwachsenen-Ich, sodass die Fähigkeit Ursache und Wirkung zu erkennen äußerst gering ist. Trauer und Enttäuschung werden abgespalten, das heißt auf das Objekt übertragen. Der Job war der falsche, der Partner unfähig, das Kind ein Monster. Der einzige Lösungsweg ist die Suche nach einem neuen Partner, einem neuen Job, vielleicht auch ein neues Kind ...

Letztendlich bleiben Borderline-Persönlichkeiten darauf fixiert, ihre erste wichtigste Entwicklungsphase der Spaltung überwinden zu wollen. Ihre Erwartungshaltung bleibt davon geprägt, dass etwas von außen (Mutter) es machen kann, dass im inneren Erleben alles gut wird. Es sind immer neue Wünsche und Erwartungen, die dabei entstehen, denn die alte, abgrundtiefe Leere, die dort ist, wo andere ein „Selbst-Bewusstsein“ entwickelt haben, bleibt leer und kann durch nichts im Nachhinein gefüllt werden. Für jeden erfüllten Wunsch entstehen 10 neue. Partner, die sich in der Regel ja in einer verschmelzenden Beziehung zu ihrer Borderline-Persönlichkeit befinden, reagieren meist unangebracht angepasst. Sie widersprechen selten, akzeptieren und unterstützen auch irrationale Ziele und versuchen viel zu lange ihre unstillbaren Partner zufriedenzustellen. Nicht wenige verlieren so ihre Existenz.

Hinweis: Als Partner sollten Sie sich Ihres eigenen kindlichen „ich bin nicht o.k.“ und der daraus resultierenden Neigung, den Wünschen der Bezugsperson unhinterfragt zu entsprechen, bewusst werden. Partner glauben aus ihrer Lebensanschauung heraus, dann vielleicht o.k. zu sein, wenn sie so funktionieren, wie andere es wünschen (negativ, angepasstes Kind-Ich). Womit diese, auf der Jagd nach ihrem o.k., genauso wenig in der Beziehung präsent sind, wie Betroffene. Nicht selten forcieren ihre coabhängigen Tendenzen, die Fehlentscheidungen und überzogenen Erwartungen der Betroffenen und bereiten so erst den Weg in katastrophale Krisen. Hilfreich ist hier allein ehrliche Reflektion. Distanzieren Sie sich von der Verlockung, sich auf eine weitere verführerische Verschmelzungsrunde im begeisterten Kind-Ich einzulassen. Zumal die aus einer Fehlentscheidung resultierende Enttäuschung in der Regel auch für den Partner schmerzhafte Konsequenzen nach sich zieht (fühle wie ich).

Nutzen Sie als Angehöriger Ihr Erwachsenen-Ich. Welche Konsequenzen hat das Ziel, womit muss gerechnet werden, wie lässt sich das finanzieren, was konkret wird von der Zielstellung erwartet? Betroffene konzentrieren sich in ihrer Motivation zumeist auf ihr emotionales (kindliches) Erleben, die Erwachsenenebene wird dabei oft nicht involviert, was dann auch zu massiven Enttäuschungen führt, die dann in der Verantwortung wieder äußeren Gegebenheiten zugeschrieben wird. Stellen Sie sich auch darauf ein, dass Sie für Ihre kritische Betrachtung und Ihr realistisches Hinterfragen nicht unbedingt eine positive Reflektion erhalten. Im Gegenteil. Kritische Einwände einer Bezugsperson schmälern die erhoffte Idealisierung des neuen Ziels. Ähnlich wie bei der Partnerwahl erhoffen sich die Betroffenen ja eine Auflösung ihrer Problematik durch das Erreichen eines neuen Ziels. Da der Partner durch seine Kritik auch eine gewisse Eigenständigkeit zeigt, kann er durchaus auch als bedrohlich wahrgenommen werden. Kritische Impulse werden dann oft wie Angriffe abgewehrt. Es ist für Angehörige oft sehr schwer, nicht in die Euphorie Betroffener einzustimmen, die ein neues Ziel gefunden haben. Zumal jegliche Kritik oder Zurückhaltung von diesen meist als „Angriff“ wahrgenommen wird und ein „schwarz besetzen“ mit ausagierendem Verhalten, Kontaktabbrüchen und Abwertungen droht. Wenn Sie aber den Mut und die Stärke haben, nicht aus Angst vor Zurückweisung alles abzunicken, was der/die Betroffene plant, sind sie ihm/ihr eine tatsächliche Unterstützung. Und darauf kommt es schließlich an.

Als unangebracht und gefährlich, nehme ich hier das Verhalten der meisten Partner im Umgang mit den gescheiterten Zielen ihrer Borderline-Persönlichkeit wahr. Viele Partner neigen dazu, die Verantwortung für deren Fehlentscheidung zu übernehmen und dann Kredite zu tilgen, Reisen zu stornieren, Kündigungen zu schreiben ... DieKonsequenzen der Fehlentscheidungen Betroffener sollten von Angehörigen auf KEINENFall getragen werden. Erwachsenes Verhalten zeigt sich gerade durch die Fähigkeit, Verantwortung für getroffene Entscheidungen, aber auch Ziele oder Pläne zu übernehmen und dann auch die Konsequenzen zu tragen. Hier neigen coabhängige Partner dazu, sich selbst ein Bein zu stellen. Sie empfinden es als unerträglich, immer wieder für alles verantwortlich gemacht zu werden, reißen aber jede Verantwortung an sich. Letztendlich hemmen sie damit massiv das bereits beeinträchtigte Erwachsenen-Ich der Borderline-Persönlichkeit und verhindern so die Reifung seiner Persönlichkeit.


Inhaltsverzeichnis

Transaktionsanalytisches Grundwissen
in Bezug auf die Borderline-Persönlichkeitsstörung
©Manuela Rösel

Inhaltsverzeichnis – Teil I

1. Grundsätzliches
Die Borderline-Persönlichkeitsstörung
Typische zerstörerische Verhaltensweisen
2. Das Konzept der Transaktionsanalyse
Wer bin ich
Die Transaktionsanalyse
Ich-Zustände
Das Streicheln und seine Bedeutung
Lebensanschauungen
Die Analyse von Transaktionen
Spiele der Erwachsenen
Das Rabattmarkensammeln

Inhaltsverzeichnis – Teil II

Vorwort

1. Ursachen der Borderline-Störung
Die natürliche Phase der Spaltung
Störungen im Spaltungsprozess
Mögliche Ursachen der Borderline-Störung
Wenn Menschen zu viel fühlen
Hochsensibilität und Borderline
Das eine vom anderen unterscheiden
Wir bleiben streichelhungrig

2. Transaktionsanalytische Betrachtung der Borderline-Störung
Die Lebensanschauung der Borderline-Persönlichkeit
Die Anordnung der Ich-Zustände

3. Spiele der Borderline-Persönlichkeiten
Tumult
Ich Arme/r
Schwarzer Peter
Mach mich fertig
Lösungsmöglichkeiten
Wie man Spiele abwehrt oder beendet

4. Borderline verstehen
Typische Borderline-Verhaltensweisen verstehen
Faszination Sexualität
Wenn man den Partner teilen muss
Perverse Kommunikation
Wird es mit dem Alter besser?
Ist Borderline heilbar?
Borderliner sind o.k.!
Schluss
Quellenverzeichnis und Literaturempfehlungen
Mögliche Hinweise auf eine hochsensible Persönlichkeit.
Autorenangaben

Erschienen: 2012
Verlag: Starks-Sture-Verlag
ISBN-10: 3939586196
ISBN-13: 978-3939586197
"Lieben leicht gemacht"
"Lieben leicht gemacht"
Ein Kartenset zu den Themen Selbstwahrnehmung, Konflikte und Beziehungen
Auf der Basis der Gewaltfreien Kommunikation, habe ich diese Intervention entwickelt, um meinen Klienten die Möglichkeit zu geben, mit den vielfach verdrängten und kaum noch bewussten eigenen Bedürfnissen wieder in Kontakt zu kommen. Die dabei stattfindende Auseinandersetzung mit den ganz individuellen Werten und dem Umgang mit ihnen, ermöglicht Klarheit und somit auch die Basis für die Fähigkeit zu handeln. Auf Grund der besonders guten Resonanz auf diese Arbeit, habe ich mich entschlossen, diese Intervention tief gehender auszuarbeiten.

Der Verlag zum Buch:
Missverständnisse und Probleme in Beziehungen entstehen, weil wir nicht angemessen miteinander kommunizieren. Wir erwarten vom Partner, dass er unsere Bedürfnisse, sogar unausgesprochene, erfüllt. Gleichzeitig bemühen wir uns, es dem Partner Recht zu machen. Dabei stellen wir oft unsere eigenen Wünsche auf Kosten unserer Individualität zurück. Die Folgen sind Enttäuschung und Frustration im Umgang miteinander. Um eine erfüllte Beziehung zu führen, ist es wichtig, wieder zum eigenen Selbst und den persönlichen Werten zu finden sowie der Falle gegenseitiger Schuldzuweisungen zu entfliehen. Voraussetzung dafür sind das Erkennen und Achten unserer eigenen Bedürfnisse und Gefühle. Erst, wenn wir diese wahrnehmen und anerkennen, werden wir auch die unseres Partners annehmen können und in der Lage sein, eine befriedigende Beziehung zu leben. Die psychologische Beraterin und Bestsellerautorin von 'Wenn lieben weh tut' Manuela Rösel gibt, inspiriert von Marshall M. Rosenberg, dem Begründer der 'Gewaltfreien Kommunikation', Tipps und Einsichten aus ihrer praktischen Arbeit. Mit dem von ihr entwickelten und in der Praxis erfolgreich erprobten Kartenset erhalten Sie wertvolle Erkenntnisse darüber, was Ihnen und Ihrem Partner wirklich wichtig ist. Sie lernen einen behutsamen Umgang mit sich selbst und Ihrem Partner mit dem Ziel des gegenseitigen Verstehens und gemeinsamen Wachsens. Das Kartenset 'Lieben leicht gemacht' werden Sie immer wieder verwenden können! Egal, ob Sie sich oder Ihren Partner besser verstehen und kennenlernen wollen oder für Konflikte mit sich oder Anderen Lösungen suchen. Hier finden Sie ein hilfreiches Werkzeug.
Leseprobe | Inhaltsverzeichnis


Leseprobe

„Lieben leicht gemacht“

Starks-Sture-Verlag – München

Liebe und Bedürfnisse
Was hat nun dieser Versuch einer Annäherung an den Komplex Liebe mit der Ihnen
vorliegenden Intervention zu tun? An dieser Stelle komme ich noch einmal auf die Gewaltfreie
Kommunikation zurück, für deren Begründer Marshall Rosenberg die Liebe ein Grundbedürfnis
des Menschen ist, dem weitere Bedürfnisse untergeordnet sind. Rosenberg differenziert dabei,
in Übereinstimmung mit den vielschichtigen Auffassungen, dass Liebe der Lebenserhaltung und
–entwicklung dient, eben durch die Befriedigung jener Bedürfnisse, die diesem Grundbedürfnis
untergeordnet sind. Hier findet sich nun auch eine Erklärung dafür, warum jeder Mensch eine
ganz eigene Definition des Begriffes Liebe hat.

„Liebe“ ist für jeden Menschen ein ganz individueller Komplex aus Gefühlen und
unterschiedlichen Bedürfnissen.


Auch wenn diese in ihrer Gesamtheit für jeden Menschen zur Liebe dazugehören, so besitzt doch jeder Mensch dabei seine ganz eigenen Prioritäten. Diese Prioritäten ergeben sich zumeist
aus erlebten Defiziten. Wenn das Kind zuwenig Nähe und Aufmerksamkeit erfahren hat, wird es als Erwachsener eben jene Defizite im Rahmen einer Heilung und Entwicklung ausgleichen wollen. Da jeder Mensch über ganz unterschiedliche Erfahrungen verfügt, ist auch sein daraus
resultierendes Defizit sehr individuell. Für den einen kann Beständigkeit die oberste Priorität haben, für einen anderen steht Abwechslung an erster Stelle. Auch die Wertigkeit der Sexualität ist ganz unterschiedlich ausgeprägt und ergibt sich für viele Menschen erst aus anderen Bedürfnissen heraus. Es ist also für jeden äußerst wichtig, Klarheit darüber zu gewinnen, welche Bedürfnisse Priorität haben und genau hier findet die beiliegende Intervention ihren Einsatz.

Auf jedem der beiliegenden Karten finden Sie ein Bedürfnis, welches der Liebe zugeordnet werden kann. Aufmerksamkeit, Nähe, Respekt, Wertschätzung, Zärtlichkeit, Sexualität…. Die Auseinandersetzung mit der Frage „was brauche ich eigentlich genau in einer Liebesbeziehung?“, ist ein erster Schritt sich selbst differenzierter wahrzunehmen.

Sprachlosigkeit ist einer der erfolgreichsten Stolpersteine in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen. Wenn ich jedoch weiß, was ich brauche, kann ich mich auch klar ausdrücken. Nicht nur dem Partner, sondern in erster Linie mir selbst gegenüber. Wenn ich mir bewusst mache, dass Wertschätzung eines meiner prioritären Bedürfnisse ist, muss ich mir auch die
Frage stellen können, inwieweit ich in der Lage bin, mich selbst und andere zu wertschätzen? Auf diese konkretere Arbeit mit den Karten im Bereich der Auseinandersetzung mit der eigenen Bedürfnishierarchie komme ich zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal zurück.

Einsatzmöglichkeiten
Die vorliegende Intervention ermöglicht eine vielschichtige Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit, aber auch der des Partners. Ein Einsatz dieser Intervention zeigt sich als besonders hilfreich, wenn…:

» der Zugang zu eigenen Bedürfnissen fehlt, z.B. für Partner in gestörten Beziehungen, die co-abhängige Tendenzen zeigen.
» Selbstunsicherheit oder mangelndes Selbstbewusstsein die eigene Handlungsfähigkeit einschränken.
» das Bewusstsein für das eigene Ich (Identität - was macht mich aus, wer bin ich?) geschärft werden soll
» ich mich intensiver mit meiner Beziehung auseinandersetzen möchte.
» ich meinen Partner besser kennen oder verstehen lernen möchte.
» ich bestehende Konflikte für mich klären möchte, um mich im Sinne einer Klärung für mich selbst wieder orientieren zu können.
» ich gemeinsam mit meinem Partner einen Konflikt klären möchte.

Ziel der Interventionsvarianten...
...ist das bewusste Wahrnehmen und Auseinandersetzen mit dem, was Ihre Lebendigkeit ausmacht. Ihre Bedürfnisse stehen im Mittelpunkt ihres Lebens, wenn sie ihnen nur unzureichend zugänglich sind, sind Sie nur eingeschränkt oder kaum in der Lage für sich (und Ihre Beziehungen) zu sorgen. Viele Menschen kompensieren ihre nicht wirklich wahrgenommenen Defizite, durch Ersatzbedürfnisse wie Konsum, Medienbissbrauch, übermäßiges Essen, betäuben ihre innere Leere durch Alkohol und Drogen oder flüchten von einer Beziehung in die nächste.

Dahinter steht letztendlich ein unzureichender Kontakt zu sich selbst, Hilflosigkeit im Umgang mit sich und anderen und in der Konsequenz eine fehlende oder unzureichende Orientierung im Handeln. Sinnvoll handlungsfähig, sind Sie aber nur dann, wenn Sie in der Lage sind, sich mir mit dem, was Sie fühlen und denken, Klarheit und Orientierung zu verschaffen.

Genau hier setzt die Intervention ein. Ob Sie sich einfach nur mit den Bedürfnisbegriffen vertraut machen, sich mit ihren Inhalten auseinandersetzen oder sich durch das anordnen der Karten einen tiefgehenderen Einblick in die eigene Persönlichkeit ermöglichen, Sie haben die Chance, sich in Ihrer Selbstwahrnehmung zu stärken! Sie befähigen sich selbst, klarer und sinnvoller zu handeln, besser für sich und Ihre Beziehungen zu sorgen.
... ...


Inhaltsverzeichnis

 „Lieben leicht gemacht“
Starks-Sture-Verlag – München

Inhaltsverzeichnis

Seite
Vorwort 4
Die Grundlagen 5
Die 4 Phasen der Gewaltfreien Kommunikation 5
Vom Umgang mit „negativen“ Gefühlen 6
Die traurige Realität 7
Was ist das - Liebe? 7
Liebe und Bedürfnisse 9
Einsatzmöglichkeiten 9
Ziel der Interventionsvarianten 10
Varianten der Intervention und ihre Ausführung 11
Selbstklärung 11
Einfache Auseinandersetzung mit Bedürfnissen 11
Identifikation von Bedürfnisprioritäten 13
Umfangreiche Bedürfnisanordnung 16
Intrapersonelle (innere) Konflikte 17
Beziehungsklärung 19
Achtung 19
Einfache Auseinandersetzung mit Bedürfnissen 19
Identifikation von Bedürfnisprioritäten 20
Umfangreiche Bedürfnisanordnung 21
Interpersonelle (zwischenmenschliche) Konflikte 21
Umgang mit den Vorlagen 23
Schluss 24
Quellenverzeichnis 25
Erschienen: November 2007
Verlag: Starks-Sture-Verlag
ISBN-10: 3939586072
ISBN-13: 978-3939586074
"Wenn lieben immer wieder weh tut"
"Wenn lieben immer wieder weh tut"
Partner in der Borderline-Beziehung
In "Borderline verstehen" setze ich mich mithilfe der Transaktionsanalyse, mit den typischen Persönlichkeitsmerkmalen und Verhaltensweisen Betroffener auseinander. In "Wenn lieben immer noch weh tut" stehen auf der gleichen Ebene deren Partner und deren typische Wesensmerkmale im Mittelpunkt. Dieses Buch beschäftigt sich somit vorrangig mit dem Persönlichkeitshintergrund der Menschen, die sich in einer Beziehung zu einer Borderline-Persönlichkeit befinden oder sich aus dieser gelöst haben. Unabhängig davon, ob Sie in Beziehung zu einem/r Betroffenen sind, oder einer derartige Bindung hinter sich gelassen haben, können Sie Ihre Erfahrungen nur dann sinnvoll verarbeiten, wenn Sie selbstreflektierend eigene Anteile erkennen, verstehen und bearbeiten ...
Leseprobe | Inhaltsverzeichnis


Leseprobe

Wenn lieben immer wieder weh tut
Partner in der Borderline-Beziehung

©Manuela Rösel 2013

Der Partner und sein Erleben im Beziehungsverlauf Unabhängig von den für Borderline-Beziehungen charakteristischen Phasen, auf die ich später noch eingehen werde, zeigen Partner im Beziehungsverlauf deutlich fassbare Erlebens- und Verhaltensmuster, die in den meisten derartigen Beziehungen immer wieder erkennbar sind. In den überwiegenden Fällen kommt es zu folgenden Abläufen:

1. Es fühlt sich einfach perfekt an
Die Borderline-Persönlichkeit wirkt auf ihre zukünftigen Partner begehrenswert und faszinierend. Viele Partner fühlen sich gleichzeitig angezogen, spüren aber mitunter auch intuitiv, dass sie einen Fehler begehen, wenn sie sich einlassen. Diese innere Warnung wird zumeist aber abgewehrt. Mit extrem viel Offenheit geben sich die Partner verletzlich hin und berichten vertrauensvoll von Dingen, die sie noch niemandem anvertraut haben. Bedingungslos lassen sie sich in die euphorisierende gegenseitige Idealisierung hineinfallen. Die Nähe des anderen wird als einmalig erlebt. Es existieren viele Gemeinsamkeiten. Ähnliche Ansichten, Meinungen und Interessen, lassen den Eindruck von „Seelenverwandtschaft" entstehen. Oft fühlen Partner sich zum ersten Mal in ihrem Leben ganz und gar richtig, angenommen und absolut o.k. Ihre eigene permanente unterschwellige Angst, verlassen oder zurückgewiesen zu werden, verliert sich. Es entsteht ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit, wie es selten oder noch nie erlebt wurde.

Sexualität spielt in dieser Phase oft eine wesentliche Rolle. Sie wird als sehr intensiv und einmalig wahrgenommen. In dieser Phase der Beziehung erleben sich die meisten noch autark und abgrenzungsfähig, zumal sie noch nicht in dem Ausmaß kontrolliert und eingeengt werden wie im späteren Verlauf.

2. Erste Irritationen
Es entstehen erste Konflikte und/oder Distanzen, die nicht wirklich verstanden und verarbeitet werden. Die Partner reagieren oft irritiert und überfordert. Hilflos versuchen sie, den ursprünglichen Zustand der ersten idealen Zeit wieder herzustellen und damit auch das einmalige Gefühl von Geborgenheit und Nähe. Am liebsten würden sie die unangenehmen Veränderungen einfach ignorieren. Sie sind vorsichtiger, beginnen ihre Aufmerksamkeit mehr auf den anderen, als auf sich zu richten, versuchen, Konflikte zu vermeiden und eigene Interessen zu unterdrücken. Trotz ihrer Bemühungen und Selbsteinschränkungen kommt es zu immer neuen Auseinandersetzungen, was dazu führt, dass sie sich noch mehr anpassen. Auf der sexuellen Ebene kann es zu Grenzüberschreitungen kommen, die oft noch toleriert, mitunter auch neugierig angenommen werden. Hier kann sich durchaus auch eine sexuelle Abhängigkeit entwickeln.
Substanzabhängige Borderline-Persönlichkeiten versuchen, ihre Partner in die Sucht mit einzubeziehen, mitunter wird dem - aus Angst vor Auseinandersetzungen und/oder Neugier - auch nachgegeben.

3. Die Achterbahnfahrt beginnt
Die intimen, vertraulichen Informationen, mit denen die Partner sich anfangs in ihrer ganzen Verletzlichkeit den Betroffenen anvertrauten, werden nun oft gegen sie gerichtet (dein Vater hat sich umgebracht – kein Wunder bei dieser Tochter). Für die meisten Partner eine Erfahrung, die sie zutiefst destabilisiert. Das symptomatische Verhalten des/der Betroffenen ist nun wieder vollständig präsent. Extreme Wutausbrüche, verbale und/oder körperliche Gewalt gegen andere oder die eigene Person, Kontaktabbrüche und erneuter Kontakt, emotionale Erpressung und dramatische Inszenierungen hinterlassen beim Partner ein diffuses Chaos, Angst und Zerrissenheit. Die symbiotische Bindungsebene der projektiven Identifikation (ich bin du - und du bist ich) zieht ihn, ohne dass er sich darüber bewusst ist, in den gleichen Erlebnisstrudel, dem auch die Borderline-Persönlichkeit ausgesetzt ist (Instabilität). Die mehrfach erlebten Kontaktabbrüche und Übergriffe haben beim Partner inzwischen überwältigende Gefühle von Verlassenheit, Hoffnungs- und Sinnlosigkeit hinterlassen. Bei jeder darauffolgenden „Versöhnung" folgte ein ebenso überwältigendes Gefühl der Erleichterung, das Leben hatte wieder einen Sinn (Achterbahnfahrt). Der Borderline-Partner ist nun selbst ausgeprägt instabil und zumeist massiv retraumatisiert. Sein Kind-Ich hat ganz die Kontrolle übernommen. Durch bedingungslose Anpassung, versucht er, jedem Konflikt aus dem Weg zu gehen. Er beginnt, nicht nur die Verantwortung für Konflikte zu übernehmen, sondern auch die Verantwortung für die Borderline-Persönlichkeit (Überfürsorglichkeit, co-abhängiges Verhalten). Es kommt immer häufiger zu Inszenierungen und Übergriffen, die zum Teil auch lebensgefährlichen Charakter tragen (riskantes Autofahren, gefährliche Sportarten), mitunter werden auch die Kinder mit involviert. Auf der sexuellen Ebene kann es zu einem Abbruch kommen, auch die Entwicklung extremer Praktiken (sado-masochistisch) ist möglich. Noch immer ist der Partner auf das Erleben der ersten, idealen Zeit fixiert und versucht, sich die schmerzhaften Erfahrungen der letzten Tage, Wochen, Monate so zu erklären, dass er die Beziehung aufrecht erhalten kann. Dabei entlastet er den/die Betroffene/n, indem er Erklärungen für deren/dessen Verhalten findet (er/sie war ja auch überlastet), und sucht nach Belastungspunkten für sich (das hätte ich nicht sagen, denken, fühlen dürfen). Einige Partner lösen sich zu diesem Zeitpunkt aus der Beziehung. Die meisten jedoch versuchen, jeden Impuls, der sie zu einer Entscheidung gegen die Beziehung drängt, abzuwehren.

4. Ich erkenne mich nicht wieder
Die Partner verlieren immer mehr ihre Selbstbestimmtheit und den Zugang zu ihrem Wertesystem. Sie lösen sich aus ihren sozialen Kontakten, isolieren sich vollständig, um ganz für die Borderline-Persönlichkeit verfügbar zu sein. Die nun immer häufiger auftretenden Krisen und Double-Bind-Situationen überfordern sie maßlos. Sie sind nicht mehr in der Lage, die Widersprüchlichkeit ihrer Borderline-Bezugsperson zu erkennen und sich den gegensätzlichen Forderungen zu entziehen. Nach mehrfachen Kontaktabbrüchen und emotionalen und/oder körperlichen Gewalterfahrungen ist ihre Verlustangst so überwältigend, dass sie jede Selbstständigkeit aufgegeben haben. Mitunter bezeichnen einige Partner zu einem späteren Zeitpunkt, diese Erfahrung als „Gehirnwäsche". Als interessantes Phänomen kann in dieser Phase der Beziehung beobachtet werden, dass es viele Partner gibt, die sich so vollständig mit der Borderline-Persönlichkeit identifizieren, dass sie deren spaltende Verhaltensweisen teilweise übernehmen. Freunde, die sich „gegen" die Beziehung stellen, und versuchen die Selbstfürsorge des Partners zu aktivieren, werden abgestoßen und negativ besetzt. Übergriffe auf involvierte Kinder werden nicht nur toleriert, sondern manchmal auch selbst inszeniert. Zu diesem Zeitpunkt ist die alte kindliche Angst bereits dermaßen reaktiviert, dass es nur noch um den Selbstschutz geht, dem alles, selbst die eigenen Kinder, geopfert werden.

5. Nichts ist ohne Schmerz
Es kommt zu Bestrafungsritualen, wenn Partner den (oft unerfüllbaren) Erwartungen der Borderline-Persönlichkeit nicht entsprechen. Dabei werden oft Kontrollspiele genutzt, bei denen der Partner massiven Übergriffen ausgesetzt ist (wage es nicht, zu telefonieren, du gehst nicht aus dem Haus ...). Wehrt der Partner sich, wird er bestraft, wehrt er sich nicht, wird das „Spiel" verschärft. Mitunter hat der/die Betroffene sich bereits auf einen neuen Beziehungspartner eingelassen. Partner erleben sich zu diesem Zeitpunkt als vollständig abgewertet. Alles an ihnen wird als schlecht und falsch reflektiert - die Art, wie sie atmen, essen oder sich bewegen. Aus eigener Kraft können sie sich kaum noch lösen. Zunehmende Grenzüberschreitungen der Borderline-Persönlichkeit (lern doch mal meine neue Freundin kennen) oder extrem gewalttätige und gefährliche Inszenierungen rauben ihnen die letzten Kräfte. In den meisten Fällen werden die Partner, nicht ohne mit massiven Schuldzuschreibungen überhäuft zu werden, zu diesem Zeitpunkt verlassen. Häufig brechen sie aber auch zusammen und müssen klinisch (stellvertretend für die betroffene Borderline-Persönlichkeit) behandelt werden. Kommt es erst an dieser Stelle zu einer vom Partner ausgesprochenen Trennung, kann das, in einigen Fällen, gefährliche Konsequenzen haben.
...


Inhaltsverzeichnis

„Wenn lieben immer noch weh tut“
Partner in der Borderline-Beziehung,
sich selbst und die Beziehung mit Hilfe der Transaktionsanalyse verstehen

©Manuela Rösel

Vorwort

1. Das Konzept der Transaktionsanalyse

Wer bin ich?
Die Transaktionsanalyse
Ich-Zustände
Das Streicheln und seine Bedeutung
Lebensanschauungen
Die Analyse von Transaktionen
Spiele der Erwachsenen
Das Rabattmarkensammeln

2. Der „typische“ Partner einer Borderline-Persönlichkeit
DEN Borderliner gibt es nicht!
Das Profil des „typischen“ Partners
Bindung – ohne sie, sind wir leer
Das verletzte Kind
Borderline-Beziehung und Selbstheilung
Der systemische Hintergrund des typischen Partners

3. Der transaktionsanalytische Hintergrund des typischen Partners
Die Lebensanschauung der Partner-Persönlichkeit
Die Anordnung der Ich-Zustände
Überlebensmechanismen
Die Übereinstimmung der Lebensanschauungen

4. Der typische Partner in der Beziehung
Der Partner und sein Erleben im Beziehungsverlauf
Die narzisstische Persönlichkeitsstörung und ihre Rolle in Borderline-Beziehungen
Täter und Opfer
Wenig hilfreich - das Helfersyndrom
Das Drama verstärken durch Coabhängigkeit
Das perfekte Pendant – Co-Borderline
Instabilität als ein Hauptmerkmal der Borderline-Störung

5. Die Phasen einer Borderline-Beziehung
Die Idealisierungsphase - endlich angekommen
Die Nähe und Distanzphase - die Achterbahnfahrt beginnt
Die entwertende Phase - Absturz ins Nichts

6. Die Spiele des typischen Partners
Warum spielen wir?
Passive Aggressivität im Spiel
Gerichtssaal
Warum nicht – ja aber ...
Wenn du nicht wärst ...
Ich versuche nur, dir zu helfen
Spiele abbrechen

7. Raus aus dem Dilemma
Der Partner als Therapeut
Haben Borderline-Beziehungen eine Chance?
Was bei Trennungen von einer Borderline-Persönlichkeit zu beachten ist Loslassen
Warum der typische Partner nicht oder nur schwer loslassen kann
Was tun wir, wenn wir nicht loslassen
Was tun wir, wenn wir loslassen
Die Beziehung danach – Erwartungshaltung und Realität

8. Hilfe zur Selbsthilfe
Trübungen aufheben und das Erwachsenen-Ich stärken
Dem inneren Kind gute Eltern sein
Vom Umgang mit inneren Konflikten
Imagination als Ressource
Schluss
Arbeitsmaterial
Quellenverzeichnis und Literaturempfehlungen
Erschienen: Neuerscheinung Mai 2014
Verlag: Starks-Sture-Verlag
ISBN-10: 3939586137
ISBN-13: 978-3939586135
"Wie der Falter in das Licht"
"Wie der Falter in das Licht"
Selbstakzeptanz in der Borderline-Beziehung
Der Verlag zum Buch: Partner in einer Beziehung mit einer Borderline-Persönlichkeit sind immer großem Druck und emotionalen Belastungen ausgesetzt, da Teil dieser Persönlichkeitsstörung Idealisierung und Abwertung in unangemessenem Maß gelebt wird. Die Autorin vom Bestseller "Wenn lieben weh tut" zeigt nun in diesem Buch auf, wie sich Partner durch Selbstakzeptanz stärken können. Sie analysiert typische Fallbeispiele und belegt anhand dessen, dass es immer wiederkehrende Muster gibt, die einen Menschen in der Borderline-Beziehung hilflos verharren lässt. Manuela Rösel zeigt in Ihrem Selbsthilfebuch effektive Lösungsmöglichkeiten auf, die Betroffene sofort und einfach umsetzen können. Dieses Buch ist für jeden Betroffenen ein Muss und ist auch zur Aufarbeitung einer bereits beendeten Beziehung sehr geeignet.
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Leseprobe

„Wie der Falter in das Licht“

Selbstakzeptanz in der Borderline-Beziehung
Starks-Sture-Verlag – München
ISBN 978-3-939586-02-9
© Copyright

Konsequenzen für Partner nach einer Trennung

Das Scheitern einer Beziehung zu einer Borderline-Persönlichkeit, bleibt oft nicht ohne tiefgreifende Konsequenzen für den zurückbleibenden Partner. Unabhängig davon, wer die Trennung ausspricht, beginnt für diesen eine Zeit der völligen Neuorientierung. Zumeist zeigt ein Partner in der Borderline-Beziehung u. a. folgende Verhaltensweisen:

» Ständiges, genaues Beobachten des Betroffenen, um mögliche Gefahren rechtzeitig zu erkennen.
» Bewusstes vermeiden von Konflikten, durch angepasstes Verhalten.
» Ignorieren, herabsetzen oder verdrängen eigener Gefühle und demzufolge auch das
» Ignorieren eigener Bedürfnisse und Wünsche.
» Permanente innere Auseinandersetzung mit Verantwortungsübergaben und Schuldzuweisungen.
» Dulden und Ertragen von Herabsetzungen, Übergriffen und Erniedrigungen.
» Auf sich selbst ausgeübter massiver Druck, alles richtig machen zu wollen, um keinen Anlass für übergriffiges Verhalten zu geben...

Derartiges Verhalten erfordert die Distanzierung vom Selbst. Sich in der Beziehung aufzugeben, wird aus Hilflosigkeit heraus, als der einzige Weg wahrgenommen, die Beziehung zu erhalten. Jeder Preis wird gezahlt, oft jeder Schmerz und jede Erniedrigung akzeptiert, um das Verlassenwerden zu vermeiden. Dieses Verhalten entspricht ganz dem eines Kindes, das seinen Bezugspersonen ausgeliefert ist und steht aus dem Hintergrund der Persönlichkeitsstruktur des Partners, auch in direktem Zusammenhang mit dem aktuellen Beziehungsverhalten.

Wenn die Bindung dann doch zerbricht, ist der zurückbleibende Partner oft völlig entwurzelt. Das, was seinen bisherigen Lebensmittelpunkt ausmachte und sein ganzes Denken, Fühlen und Sein beanspruchte, ist nicht mehr Teil seines Lebens. Zurück bleiben Emotionen wie totale Leere und Angst. Der Eindruck, versagt zu haben, lässt Scham und das Gefühl der Wertlosigkeit entstehen und aus der Gesamtheit dieses Fühlens und Denkens, entsteht die Annahme, nie mehr eine erfüllende Partnerschaft eingehen zu können. Diese Phase kommt einem völligen Zusammenbruch nahe, das Ausmaß des Verlustes, ist für Außenstehende nur schwer nachvollziehbar. Leere, Angst, Scham und angenommene Wertlosigkeit – die Projektion der Borderline-Symptomatik auf den Partner, ist auch nach der Trennung beängstigend aktiv.

Das Ende einer Bindung zu einer Borderline-Persönlichkeit, ist mit einem „normalen“ Beziehungsende nicht zu vergleichen. Die beständige emotionale Fixierung auf den Partner, diente zwar einerseits einem scheinbaren Selbstschutz, ermöglichte aber auch eigenen Grundannahmen, wie z. B. „Wenn ich mich anpasse, werde ich dafür geliebt“, zu entsprechen. Die Beziehung zu einem Borderline-Partner, erscheint daher häufig als Sinn des Lebens, welcher nach der Trennung verloren geht.

Je länger die Beziehung andauerte, je mehr der Partner den Bezug zum eigenen Ich verloren hat, desto intensiver wird das so wahrgenommen. Dies geht mitunter so weit, dass sich beim zurückbleibenden Partner nach der Trennung selbst Borderline-Strukturen bemerkbar machen. Das Anpassen an die Achterbahnfahrt der Gefühle des betroffenen Partners, bleibt nicht ohne Folgen. Impulsive Stimmungsschwankungen; drastische, emotionale Handlungsweisen zur Durchsetzung von Bedürfnissen; extreme Verlustängste; totale Hilflosigkeitsgefühle und emotionale Überflutungen, gehören zu den Auswirkungen. Dies ist ein durchaus logischer Prozess, denn eben das Anpassen an die Persönlichkeitsmerkmale des betroffenen Partners, ermöglichte ja den vermeintlichen Selbsterhalt an dessen Seite.

Im Grunde genommen haben die schwerwiegenden Konsequenzen einer Trennung, also nur bedingt mit dem Verlust des von Borderline betroffenen Partners zu tun. Tatsächlich geht es hier um die Persönlichkeit des Partners selbst. Aus einem Komplex eigener Strukturen heraus, wie z. B. ein geschwächtes Selbstbild oder einen ängstlich-ambivalenten Bindungsstil, zeigte sich, ähnlich wie bei dem Betroffenen, ein verzweifeltes Bemühen, das Verlassenwerden zu vermeiden. Auch und gerade um den Preis der Selbstleugnung, denn eben diese Art der Selbstfürsorge war vertraut. Trotzdem konnte das innere Kind des Partners die Angst nie verwinden, die Zuwendung seiner geliebten Bezugspersonen jederzeit zu verlieren. Es hat die Erfahrung gemacht nur wenig Einfluss darauf zu haben und trotz Selbstleugnung, nur bedingt Zuwendung zu erhalten. Das Trauma des Kindes – trotz aller Mühen immer wieder zurückgewiesen zu werden – wiederholt sich und soll, im Sinne der Selbstheilung auch wiederholt werden. Wie es für unverarbeitete traumatische Erfahrungen typisch ist, bleiben die dazugehörigen Emotionen, wie Schmerz, Angst oder Trauer immer im gleichen Ausmaß aktiv, wie sie auch in der erlebten traumatischen Situation erfahren wurden. Der Komplex schmerzhafter Gefühle um den jetzigen Verlust, vermischt sich mit den einmal erlebten, die im Zusammenhang mit Zurückweisungen oder Verlassenwerden bereits erfahren wurden.

Da die Zuwendung seiner Bezugspersonen für ein Kind einmal lebensnotwendig war, erfährt es den Entzug oder die Distanzierung aktueller Bindungspartner als vernichtend und lebensbedrohlich. Alte unverarbeitete Erfahrungen vermischen sich mit dem aktuellen Erleben des Erwachsenen, der von seinem Partner getrennt wird. Für sich selbst oft völlig unerklärlich, empfindet er den Verlust wie ein inneres Sterben....



Inhaltsverzeichnis

„Wie der Falter in das Licht“

Starks-Sture-Verlag – München

1. Prägungen und deren Konsequenzen
• Vorwort
• Klassifizierung nach DSM IV, sowie typische Borderline-Verhaltensweisen
• Gewaltfreie Kommunikation
• Wirklich hilflos?
• Erziehung – Beziehung
• Glaubenssätze
• Schicksal?
• Modelle und Schemata
• Bindungsstile
• Bin ich an einen Bindungsstil gebunden?
• Ich fall immer auf die/den Falsche/n rein
• Selbstheilung
• Wer ist „Falsch“ und wer „Richtig“
• Der Stellenwert der Diagnose
• Was hat die Borderline-Problematik meines Partners mit mir zu tun?
• Warum komme ich da nicht raus?

2. Reale Geschichten - direkt aus dem Leben
• Mareike T., 36 Jahre, Unternehmensberaterin, ehemalige Partnerin
• Andreas M., 30 Jahre, freischaffender Journalist, ehemaliger Partner, ein Kind
• Jeanette D., 38 Jahre, Geschäftsführerin, ehemalige Partnerin, ein Kind
• Stefan S., 47 Jahre, Angestellter, ehemaliger Partner

3. Was offensichtlich ist
• Eine ganz natürliche Entwicklung
• Erwachsen und nun?
• Wie kann ich das umsetzen?
• Gemeinsamkeiten
• Wann sollte ich die Beziehung beenden?
• Was Sie nach dem Scheitern der Beziehung auf keinen Fall tun sollten...
• Konsequenzen für Partner nach einer Trennung
• Auswege
• Konsequenzen mangelnder Verarbeitung
• Schluss...
• Anhang: Übersichten und Interventionen

Erschienen: September 2012
Verlag: Starks-Sture-Verlag
ISBN-10: 3939586021
ISBN-13: 978-3939586029
"Wenn lieben weh tut"
"Wenn lieben weh tut"
Ein Kommunikations-Ratgeber für Partner in der Borderline-Beziehung
Der Verlag zum Buch: "Wenn lieben weh tut" richtet sich in erster Linie an Partnerinnen und Partner, die sich in einer Beziehung mit einem Menschen mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung befinden. Diese Verbindungen stellen für die Betroffenen immer eine große emotionale Belastung dar, da sie in einen Strudel von Idealisierung und Abwertung geraten sind und oft nicht mehr weiter wissen. Die Autorin Manuela Rösel, psychologische Beraterin aus Berlin, beschreibt in ihrem Buch Lösungsmöglichkeiten, angemessen mit dem Partner, der an der Borderline-Persönlichkeitsstörung leidet, umzugehen. Dabei legt sie besonderen Wert auf die Entwicklung der Selbstwahrnehmung von Betroffenen, denn diese wird in der Borderline-Beziehung zunehmend untergraben. Die Autorin gibt wertvolle Informationen über das typische Verhalten beider Seiten. Sie geht insbesondere auf einfühlsame Kommunikation, Grenzsetzung und den Umgang mit charakteristischen Verhaltensweisen, wie doppelte Botschaften, emotionale Erpressung oder Selbstverletzung ein. Zuletzt gibt sie wertvolle Hinweise zur Trennung, sollte diese unumgänglich werden. Mit dieser Lektüre bekommen Sie effektive Werkzeuge in die Hand, das Gefühl der Hilflosigkeit hinter sich zu lassen und neue Wege zu einem konstruktiven Umgang mit sich selbst und dem Partner zu gehen – damit lieben nicht mehr weh tut.
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Leseprobe

„Wenn lieben weh tut“

Ein Kommunikations-Ratgeber für Partner in der Borderline-Beziehung
Starks-Sture-Verlag – München/ISBN 3-9809496-7-2
© Copyright

2. Liebe als Grundbedürfnis, das verkannte Zentrum des Geschehens Jede Menge Definitionen
Die Liebe… ein, wenn nicht sogar das zentrale Thema in der Borderline Problematik an sich und ausgehend vom Sinn dieses Buches, für den Betroffenen, wie auch für den Partner und Angehörigen, der Mittelpunkt des Geschehens. Insofern möchte ich dieser Thematik angemessenen Platz und Raum widmen und Zitate bekannter Autoren und Psychologen wie Erich Fromm, Peter Schellenbaum, Peter Lauster und Marshall Rosenberg an dieser Stelle platzieren.

Eine Therapeutin konfrontierte mich einmal mit der Aussage, Borderliner können nicht lieben. Anfangs hat mich diese Erkenntnis erschreckt, dann habe ich mich entschlossen, dieser Aussage auf den Grund zu gehen. Zunächst stellen sich hier viele Fragen. Was ist Liebe und wozu braucht der Mensch sie. Ich habe Antworten gesucht und gefunden. Viele entsprechen dem, was dem Großteil der Menschen in Bezug auf diesen Begriff vertraut ist.

So bezeichnet ein Lexikon die Liebe als die stärkste Zuneigung, die ein Mensch für einen anderen empfinden kann, ein Gefühl inniger und tiefer Verbundenheit mit dem Nächsten.

Peter Lauster schreibt in seinem Buch „Die Liebe“, dass diese ganz allgemein positive Zuwendung ist, sich auf alles erstreckt, was die Sinne erfassen können. Sie zeigt sich in der Fähigkeit Aufmerksamkeit und Zuwendung zu geben, wobei sich dies nicht nur auf einen anderen Menschen bezieht, sondern auf alles, was lebendig ist, das eigene Selbst ebenso, wie das, was es umgibt.

Erich Fromm sieht in der Liebe intensive positive Zuwendung zum eigenen Sein, zur Umwelt und zum Leben. Nur durch sie lässt sich die Quelle der Angst, nämlich das Bewusstsein des Abgetrenntseins, überwinden. Der Begriff „Abgetrenntsein“ bezieht sich hierbei auf das Bewusstsein des Menschen, seiner Vergänglichkeit ausgeliefert zu sein. Die daraus resultierende Hilflosigkeit und Einsamkeit verlieren nur dann ihre Macht, wenn wir lieben. Gelingt dies nicht, entstehen Schuld und Scham, „beweist“ sich die angenommene Wertlosigkeit und potenziert sich die Angst. Ein höllischer Kreislauf, der nur durch das durchbrochen werden kann, was verzweifelt gebraucht und gesucht wird, aber in sich nicht gefunden werden kann, da die Angst es nicht zulässt….Liebe. Laut Erich Fromm ist die wichtigste Voraussetzung für die Liebe, dass beide Partner sich „aus der Mitte ihrer Existenz heraus miteinander verbinden, wenn also jeder sich selbst aus dem Zentrum heraus erlebt“. Der Mensch muss sich also seiner Identität bewusst sein, Mittelpunkt seines Handelns und Erlebens sein, sich frei und unabhängig fühlen und er selbst sein können. Ohne diese Basis ist eine gesunde Liebe nicht möglich, da der Mensch nur dann eine Bindung mit einem Partner eingehen kann, wenn er selbst mit sich „im Reinen“ ist.

Sullivan, ein amerikanischer Psychiater meint: Wenn die Zufriedenheit oder die Sicherheit eines anderen für mich ebenso bedeutsam wird wie meine eigene Zufriedenheit oder Sicherheit, dann ist dies der Zustand der Liebe.

Theodor Reik, ein kritischer Schüler Freuds geht noch weiter und kommt zu einer für viele Menschen grausamen Erkenntnis: "Ein Mensch, der sich nicht selbst akzeptiert und seine Selbstachtung nicht wiedererlangt, wird nicht lieben können. Wer nicht Mut und Selbstvertrauen hat, wird niemals die Zuneigung eines anderen gewinnen können." Es taucht die Frage der Bewertung auf, weil das Problem, das alle Menschen haben, in der Selbstbewertung besteht, obwohl sie sich dessen meist nicht bewusst sind. Warum sind diese Menschen mit sich selbst unzufrieden? Sie kommen sich unbewusst betrogen und unzulänglich vor, weil sie Vergleiche anstellen zwischen dem, was sie sind, und dem, was sie sein möchten; zwischen dem, was sie leisten, und dem, was sie leisten möchten. Sie fühlen sich gehindert, weil sie unbewusst fürchten, dass sie versagt haben. Sie sehen, dass sie unfähig sind, ihre Erwartungen von sich selbst zu erfüllen. Wer den anderen nur kritisiert, beschimpft, fordert, wie das in fortgeschrittenen Stadien von Partnerauseinandersetzungen so beliebt ist, zerstört die Voraussetzungen der Liebe.

Er wird so unattraktiv, dass nur ein Verblödeter ihn lieben könnte und er macht dem anderen deutlich, dass er ihn nicht liebt. Wer nur Kritik, Schimpfe und Forderungen bekommt, kann ja gar nicht (für den anderen) liebenswert sein. Was mir wichtig ist, was mir wertvoll ist, das schütze und behüte ich, das will ich nicht verlieren, das sollte ich erhalten wollen. Du liebst einen Menschen, indem du ihm deutlich machst, wie wertvoll er für dich ist.

Peter Schellenbaum (Das Nein in der Liebe) sieht in der Liebe eine Erweiterung des Ich zu einem Du. Sie ist der Sinn des Lebens, weil sich durch sie die Isolation überwinden lässt. Liebe ist die Akzeptanz der Fremdheit des geliebten Menschen, ein Einswerden, ohne sich zu verlieren und eine tiefe Einsicht in das Selbst. Sie ist die aktive, uneigennützige Hingabe an das Du, Verschmelzung und Abgrenzung in einem und somit die Erweiterung des Ich.

Entgegen der verbreiteten Annahme, dass lieben ein Gefühl ist, sieht Marshall Rosenberg in der Liebe ein Grundbedürfnis des Menschen. Ihr sind weitere Bedürfnisse wie Nähe, Vertrauen, Zärtlichkeit, Intimität, Verbundenheit, Sicherheit u.v.m... untergeordnet. Individuell nach den Werten und Bedürfnissen jedes Menschen, werden dabei Prioritäten gesetzt. Je nachdem, wie diese Bedürfnisse erfüllt werden, zeigen sich entsprechende Gefühle. Glücklich, fasziniert, hellwach, aufgekratzt, neugierig, lustvoll…, wenn das Bedürfnis nach Liebe sich erfüllt. Wird dem Bedürfnis nach Liebe und seinen Unterbedürfnissen nicht entsprochen, fühlen wir uns ängstlich, mutlos, unsicher, deprimiert, einsam ….

Hier findet sich auch eine Erklärung dafür, warum jeder Mensch den Begriff Liebe anders definiert. Die prioritären Bedürfnisse, die jeder Mensch in Bezug auf sein Beziehungsverhalten wahrnimmt, sind so individuell wie der Mensch selbst. Wo für den einen Wertschätzung und Respekt an erster Stelle stehen, empfinden andere Nähe und Zuwendung als wesentlich. Trotzdem sind in der Summe die Bedürfnisse aller Menschen in der Liebe gleich, sie gliedern sich nur individuell unterschiedlich auf.

All diese Erkenntnisse vermitteln, trotz ihrer oft unterschiedlichen Aussagekraft, ein faszinierendes Bild. Im Hinblick auf die Problematik Borderline, sehe ich eine alles überschattende Sehnsucht nach Liebe. Ein unstillbares Bedürfnis nach Zuwendung, Wahrnehmung, Nähe, Sicherheit und vielen der Liebe untergeordneten Bedürfnissen, ohne jedoch, durch den Mangel an Identität, tatsächlich eine Chance zu haben, zu lieben und geliebt zu werden, um der Isolation zu entrinnen. Sich an das Du hinzugeben und dabei das Ich zu finden, Ängste zu überwinden und das Leben in sich zu integrieren, scheint undenkbar.

Die Liebe ist der Sinn des Lebens…, wenn ich mir Rosenbergs Auflistung (Kapitel Gefühle und Bedürfnisse – Gewaltfreie Kommunikation) für unerfüllte Bedürfnisse ansehe, kann ich einen Großteil dieser schmerzhaften Emotionen, diesem massiven Defizit der Borderline-Betroffenen zuordnen. Ich halte es für sehr wichtig, sich dieses Zusammenhanges bewusst zu sein. Wut, Zorn, Verbitterung, Gemeinheit… beziehen sich auf unerfüllte und nicht identifizierte Bedürfnisse und niemals auf die Person, der als Ursache der überflutenden, schmerzvollen Gefühle, die Verantwortung für die gefühlten Schmerzen übertragen wird.

Es ist in der Partnerschaft, dem Leben und der Gemeinschaft mit einem Borderline-Erkrankten von höchster Wichtigkeit, sich darüber im Klaren zu sein, dass niemand die Ursache für das Ausagieren emotionaler Überflutungen ist. Die Unfähigkeit, hinter den Gefühlen ein Bedürfnis wahrzunehmen und das Unvermögen eine sinnvolle Strategie für die Erfüllung der Bedürfnisse zu finden, ist die Ursache von Hilflosigkeit und Verlassenheitsgefühlen (Ich möchte dies immer wieder betonen, denn es ist unsagbar schwer, sich dies vor Augen zu führen, wenn man sich ausagierendem Verhalten ausgesetzt sieht). Hier potenziert sich das Drama in sich, der Erkrankte verlässt sich selbst, in dem er im Strudel verinnerlichter Machtlosigkeit buchstäblich ertrinkt. Trotzdem liegt der Umgang mit Emotionen, Bedürfnissen und Strategien in der Verantwortlichkeit der betroffenen Person.

Wenn wir die Gesamtheit der Erkenntnisse der oben angeführten Psychologen überdenken, werden wir zu der scheinbaren Konsequenz gelangen, dass Borderliner tatsächlich nicht in der Lage sind zu lieben. Das sie zwar mit aller Intensität durch heftige schmerzhafte Emotionen ihre Defizite signalisiert bekommen, sich aber durch das Ausagieren konträr einer sinnvollen Strategie verhalten...



Inhaltsverzeichnis

„Wenn lieben weh tut“

Ein Kommunikations-Ratgeber für Partner in der Borderline-Beziehung
Starks-Sture-Verlag – München/ISBN 3-9809496-7-2

1. Begriffsklärungen und gedankliche Auseinandersetzungen mit Persönlichkeitsmerkmalen
• Der Begriff Borderline ("Grenzlinie")…
• Was ist eigentlich eine Identitätsstörung?
• Partner und Angehörige…
• Einer trage des anderen Last….
• Gemeinsame Merkmale der Partner
• Irrtümer, die sich für viele Partner aus diesen Merkmalen ergeben
• Nach welchen Kriterien wählen wir unseren Partner?
• Angst
• Schwarz-Weiß
• Ambivalenz
• Berührungspunkte der Angst
• Notwendige Merkmale der Borderline-Partner

2. Liebe als Grundbedürfnis, das verkannte Zentrum des Geschehens
• Jede Menge Definitionen
• Kann man lieben lernen?
• Wo fängt Liebe an?

3. Co- Abhängigkeit
• Begriffsklärung
• Wege aus dem co-abhängigen Verhalten

4. Kommunikation, nicht alle Theorie ist grau
• Was passiert da eigentlich?
• Die Gewaltfreie Kommunikation nach M. B. Rosenberg
• Wie funktioniert die Gewaltfreie Kommunikation?
• Gefühle und Bedürfnisse
• SET Kommunikation

5. Von Manipulationen und Grenzen
• Emotionale Erpressung
• Woran kann ich Emotionale Erpressung erkennen?
• Die 4 Gesichter der Emotionalen Erpressung
• Wozu brauchen wir Grenzen?
• Wann müssen Grenzen gesetzt werden?

6. Was ich nicht wahrhaben will • Verdrängungsmechanismen
• Primäre und sekundäre Gefühle

7. Doppelte Botschaften und wie wir sie vermeiden
• Vom Umgang mit Double Binds
• Möglichkeiten einer verbesserten Kommunikation zu dem Borderline-Betroffenen

8. Konkretes - Fragen und Antworten
• Wie genau kann ich reagieren, wenn ich emotional erpresst werde?
• Was ist, wenn mein Partner keine professionelle Hilfe in Anspruch nehmen will?
• Ehrlichkeit, Ehrlichkeit, Ehrlichkeit!!!!!!!!! (mangelnde Reflektion und inkongruentes Verhalten)
• Wie gehe ich mit Selbstmitleid um?
• Wie gehe ich mit Konfliktsituationen (Unstimmigkeiten) um?
• Einige Regeln für das aktive Zuhören
• Kommunikationsregeln für das Sprechen
• Weitere Möglichkeiten ausagierendem Verhalten sinnvoll zu begegnen
• Verzerrte Vergangenheit, ein ständiger Konfliktherd…
• Wie gehe ich mit Wutausbrüchen, verbalen Angriffen und übergriffigem Verhalten um?
• Wie reagiere ich auf Selbstverletzungen?
• Wie gehe ich mit Suizidandrohungen um?
• Was kann ich tun, wenn ich den Eindruck habe, dass mein Partner mit Selbstmord droht?
• Wie kann ich denn konsequent sein, wenn ich weiß, dass ich dafür verurteilt und angegriffen werde?
• Wie kann ich Kontaktabbrüche vermeiden?
• Wie kann ich mich vor einer Beziehung zu einer Borderline-Persönlichkeit schützen?

9. Nach der Trennung
• Danach…und nun…?
• Warum fällt das Loslassen so unendlich schwer?
• Trauern (Krisenphasen)
• Möglichkeiten der bewussten Trauer und Verarbeitung
• Die Konsequenzen der Idealisierung
• Eigene Anteile entdecken
• Abschied Rituale, (Rituale und hilfreiche Verarbeitungsanregungen)
• Neubeginn

Erschienen: 2012
Verlag: Starks-Sture-Verlag
ISBN-10: 3980949672
ISBN-13: 978-3980949675
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